1987-3
Der mühsame Weg zur Abrüstung ...

Risikoproblematik moderner Waffensysteme - Modellfall SDI
Trägt man über einer Zeitskala den qualitativen Zuwachs an Waffenarten auf, so stellt man fest, daß für die vergangenen 20.000 Jahre der Menschheitsgeschichte folgende Tendenz zu beobachten ist. Bis zur Einführung der ersten Fernwaffen, wie Pfeil und Bogen bzw. Speer, waren Tausende von Jahren vergangen, ohne eine qualitative Waffenweiterentwicklung. Mit diesen Waffen erhöhte sich ihr Einsatzeffekt und erhielt eine neue qualitative Dimension, als es gelang, mehr physikalische Prinzipien beim Bau von Waffen zu verwenden, etwa unter Beachtung der Hebelgesetze (etwa um 1000 v.u.Z.). Mit der Einführung der Feuerwaffen, ca. 2000 Jahre nach der vollen Entfaltung der klassischen Belagerungstechnik, fand die erste Revolution des Militärwesens statt, verbunden mit einer enormen Steigerung der Zerstörungskraft von Waffen. Nur ca. 500 Jahre später führte der erste Weltkrieg, unter drastischer Einbeziehung von Dynamit, Maschinenwaffen, Panzern und Flugzeugen, der Menschheit vor Augen, welche gewaltige Potenzierung an Vernichtungskraft durch die Waffenentwicklung erreicht wurde. Und nur weniger als 30 Jahre nach jenem denkwürdigen Friedensschluß von Versailles wurde im gleißenden Lichtblitz der ersten Atombombe über Hiroshima erstmals ein apokalyptisches Schicksal der Menschheit überdeutlich sichtbar, als Konsequenz eines erneut großen qualitativen Sprunges in der Waffentechnik. Seitdem kann man, in einem etwa 10-jährigen Rhythmus, eine vollständige und kontinuierliche Erneuerung der gesamten Waffentechnik beobachten, und manches spricht dafür, daß dieser Effekt noch intensiver wird, nur begrenzt durch z.T. enorme Entwicklungszeiten für moderne Waffensysteme, wenn es nicht gelingt, diesem von Menschen initiierten Wahnsinn in die Arme zu fallen.