1989-3
1989-3

1989 – fünfzig Jahre nach Kriegsbeginn
Das Jahr 1989 hatte noch gar nicht begonnen, da wurde es schon mit höchsten Erwartungen befrachtet. Theo Sommer, um globale Perspektiven und welthistorische Dimensionen selten verlegen, schrieb in der letzten Ausgabe der Zeit im Jahr 1988, unsere Generation habe „ein Rendezvous mit der Geschichte“. Für eine solche Feststellung – Sommer hatte sie einer Rede des US-Präsidenten Franklin Delano Roosevelt entlehnt – gibt es allerdings allen Anlaß. Vor fünfzig Jahren, am 1. September 1939, wurde um 5 Uhr 45 »zurückgeschossen« – mit dem Angriff des Schlachtschiffs »Schleswig-Holstein« auf die polnische Westerplatte begann der Zweite Weltkrieg: Hitlers Versuch, die Karten von 1914 neu zu mischen und einen nächsten Waffengang zu wagen; ein Krieg, an dessen Ende nicht nur die Zerstörung ganzer Länder und millionenfacher Tod standen, sondern auch die Atombombenexplosionen von Hiroshima und Nagasaki, die mahnenden Fanale eines neuen Atomkriegszeitalters. Auch in dieser Hinsicht ist 1939 ein Schicksalsjahr gewesen. Der von Th. Sommer zitierte 32. US. Präsident Roosevelt hatte – das erkennen wir heute, aus der Perspektive des 50-Jahres-Abstandes deutlicher als die damaligen Zeitgenossen – in jenem Jahr sein ganz persönliches Stelldichein mit Klio, der Muse der Historiker: Aufgerüttelt durch Einsteins Brief über den mittlerweile möglichen Bau einer »Superbombe« (August 1939) leitete der Politiker kaum ein Jahr nach der ersten Kernspaltung durch Hahn, Meitner und Straßmann das Atomprogramm seines Landes in die Wege: 1942 wurde der Kernreaktor angefahren, am 16. Juli 1945 in der Wüste von New-Mexiko die erste Atombombe gezündet – die nächsten Explosionen verwüsteten japanische Städte.
Der Zweck der Wissenschaft: der Frieden
Die Haltung des Wissenschaftlers zur Frage des Friedens wird oft als seine persönliche Entscheidung betrachtet. Die Wissenschaft selbst vermeidet es, ihm darauf eine Antwort zu geben, um sich den Schein der Objektivität zu wahren. Die Frage, ob der Frieden mit Rüstung zu vereinbaren sei, erscheint unwissenschaftlich, weil sie politisch ist. Doch damit gibt die Wissenschaft der Politik nach, welche für den Frieden rüstet und dabei, gewollt oder nicht, den Krieg vorbereitet. Die vermeintliche Objektivität der Wissenschaft steht dabei im Dienst der Subjektivität des Staates, der sich der Wissenschaft für die Rüstung bedient. Diesem Staat gegenüber soll der Wissenschaftler verantwortlich sein und seinem eigenen Gewissen, welches ihn vor dem Mißbrauch der Wissenschaft bewahren soll. Öffentliche und private Verantwortung bedeuten aber beide kaum mehr, als wissenschaftlich verantwortlich zu sein, d.h. den Kriterien seines Faches zu genügen. Insofern die Wissenschaft an sich jedoch unverantwortlich ist, ist dies auch der Wissenschaftler für sich. An ihn kann keine moralische Forderung gestellt werden, so lange die Institution, der er angehört, selbst keine Moral hat. Das heißt nicht, daß die Wissenschaft an sich unmoralisch ist, sondern daß Wissenschaft ohne Rücksicht auf Moral betrieben wird. Diese Moral soll ihre Tugend sein, unabhängig von gesellschaftlichen Zwängen erfüllt sie ihren Zweck, rein der Wahrheit verpflichtet zu sein. Aber sind die Zwecke der Wissenschaft auch die der Gesellschaft?
Die ökologische Kritik der Abschreckungspolitik
Es gibt eine ökologische Geschichte des Kalten Krieges, eine Naturgeschichte der Abschreckung. Ihr Gegenstand sind die natürlichen Bedingungen und ökologischen Folgen der militärischen Indienstnahme, Instrumentalisierung und Gefährdung der Biosphäre und des Weltraums zur Aufrechterhaltung eines »Gleichgewichts des Schreckens« zwischen Nordatlantischer Allianz (NATO) und Warschauer Vertrag (WVO). Aus dieser Geschichte sind zwei Erkenntnisse herzuleiten; • Die militärökologische Einsicht besagt, daß die militärische Abschreckungsdynamik erkauft wurde durch die Destabilisierung ökologischer Lebensbedingungen der Menschheit. Das stetige Wachstum der Vernichtungs- und Vergeltungsarsenale ging nicht zufällig einher mit einem wachsenden Verlust an globaler ökologischer Sicherheit. • Die friedensökologische Erkenntnis besagt, daß die Perestroika ihre ökologiepolitisch begründete Entspannungsdialektik entfaltet, die im NATO-Bereich von einer Ökologie- und Friedensbewegung vorangetrieben (werden) sollte, deren Interesse an der Überwindung der Abschreckungspolitik hinlänglich erwiesen ist. So könnte der zweite entspannungspolitische Wandel in den Ost-West-Beziehungen innerhalb von zwanzig Jahren zu einer beispiellosen »Umwelt-Epoche« in der europäischen Nachkriegsgeschichte werden: Vor genau zwei Jahrzehnten thematisierte die NATO den engen Zusammenhang zwischen ökologischer Krise und Sicherheit – heute fordern die WVO-Staaten uns auf, die abschreckungspolitischen Konsequenzen aus den gemeinsamen Einsichten in die weltökologische Krisendynamik zu ziehen.
Ökologie  | 
STEALTH II
Das »Dossier Stealth« im Informationsdienst hat ein bemerkenswertes Echo gehabt. Ein freundlicher Kommentar kam selbst aus der Vorstandsetage des neuen Rüstungsmulti Daimler-Benz („sehr informative Arbeit“). Ein substantieller Hinweis erfolgte auf Illustrationen zur Radarerfassung aus unterschiedlichen Winkeln der Stellung von Empfangsantennen sowie unterschiedlicher Stellung eines von Radar erfaßten Objektes. Abb. 1 gibt als gut nachvollziehbares Beispiel die Radarechos eines mittleren Kriegsschiffes wieder. Umrundet eine Radarantenne ein Schiff um 360°, so variiert das Echo: Bug (0°) und Heck (180°) geben verständlicherweise schwächere Echos als wenn das Schiff voll von der Breitseite erfaßt wird (bei 90° und 270°). Dort treten nicht überraschend die stärksten Echos überhaupt auf. Wegen des Vorhandenseins einer Anzahl planer Reflektorflächen bei Bug und Heck liegen hier keineswegs die Minima der Radarreflektionen. Diese werden vielmehr bei leichter Schrägsicht auf das Kriegsschiff erzielt.–Die Echos sind ferner (so Abb. 1) vom Azimut des Radarsignals abhängig. Die drei Linienkreise zeigen Radarechostärken bei drei unterschiedlichen Azimuten und ergeben, daß die Charakteristika der Reflektionen mit Bezug auf die Stellung des Schiffes voll erhalten bleiben. Der »Radarquerschnitt« eines Objektes ist mithin ein Mittelwert, wird er als einfache Zahl angegeben, und man muß genau fragen, ob er für minimale Reflektionsbedingungen, für Frontalsicht oder eine andere Stellung des erfaßten Objektes angegeben wird.

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