Knut Krusewitz: 3 Artikel / 1 Dossier
Die ökologische Kritik der Abschreckungspolitik
Es gibt eine ökologische Geschichte des Kalten Krieges, eine Naturgeschichte der Abschreckung. Ihr Gegenstand sind die natürlichen Bedingungen und ökologischen Folgen der militärischen Indienstnahme, Instrumentalisierung und Gefährdung der Biosphäre und des Weltraums zur Aufrechterhaltung eines »Gleichgewichts des Schreckens« zwischen Nordatlantischer Allianz (NATO) und Warschauer Vertrag (WVO). Aus dieser Geschichte sind zwei Erkenntnisse herzuleiten; • Die militärökologische Einsicht besagt, daß die militärische Abschreckungsdynamik erkauft wurde durch die Destabilisierung ökologischer Lebensbedingungen der Menschheit. Das stetige Wachstum der Vernichtungs- und Vergeltungsarsenale ging nicht zufällig einher mit einem wachsenden Verlust an globaler ökologischer Sicherheit. • Die friedensökologische Erkenntnis besagt, daß die Perestroika ihre ökologiepolitisch begründete Entspannungsdialektik entfaltet, die im NATO-Bereich von einer Ökologie- und Friedensbewegung vorangetrieben (werden) sollte, deren Interesse an der Überwindung der Abschreckungspolitik hinlänglich erwiesen ist. So könnte der zweite entspannungspolitische Wandel in den Ost-West-Beziehungen innerhalb von zwanzig Jahren zu einer beispiellosen »Umwelt-Epoche« in der europäischen Nachkriegsgeschichte werden: Vor genau zwei Jahrzehnten thematisierte die NATO den engen Zusammenhang zwischen ökologischer Krise und Sicherheit – heute fordern die WVO-Staaten uns auf, die abschreckungspolitischen Konsequenzen aus den gemeinsamen Einsichten in die weltökologische Krisendynamik zu ziehen.
Ökologie  | 

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