Martin Arnold: 3 Artikel
Gütekraft (Satjagrah)
Ein Thema für die Friedens- und Konfliktforschung
Kein Zweifel: M. Gandhis Satjagrah (»Kraft der Wahrheit«, »Gütekraft«) funktioniert – oder hat immer mal funktioniert. Das Wie scheint aber die Profis für solche Dinge wenig zu interessieren. Gewiss hat es seit den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts immer mal Aufforderungen und Versuche gegeben, ein entsprechendes Forschungsprogramm anzuschieben. Die nötige man- and woman- and money-power aber haben diese Ansätze bis dato nicht auf sich gezogen. Vielleicht weil der von Weber, Hobbes, Luther u.s.w. ererbte »staatsreligiöse« Glaube an die Gewalt als eigentlicher Kitt der Gesellschaft eine kulturspezifische Kollektivneurose darstellt. Wie auch immer, vor ein paar Jahren hat der Autor des vorliegenden Beitrags einen neuen Versuch der wissenschaftlichen Aufarbeitung von »Gütekraft« initiiert und 1998 wurde die Arbeitsgruppe Gütekraft1 gegründet. Sie hat vor, das Wissen von der Gütekraft durch Forschungen, die sie anregt, zu vertiefen und – später – zu verbreiten. Gütekraft ist mit Versöhnung eng verwandt. Versöhnung wird aber von der Konfliktforschung erst seit Kurzem thematisiert.2 1995 wurde in der Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung gefordert, die Forschung solle sich mehr den Friedensursachen zuwenden. Es gibt einige neuere Arbeiten zu Versöhnung, besonders englische Literatur (s. Gutierrez, 1998). Am Beispiel der Wahrheits- und Versöhnungs-Kommission in Südafrika wird »Versöhnung« von manchen AutorInnen einer bestimmten Konfliktphase zugeordnet (Wanie, 1999 und Antoch, 1999). Versöhnungsarbeit soll bei diesem Verständnis nach dem Kampf die Wunden in den Beziehungen der Konfliktpartner heilen. Anders Hiskiaz Assefa (1999), Professor zweier US-Universitäten, Friedensforscher und -Praktiker in Nairobi: Versöhnung ist für ihn ein eigenständiger Ansatz des Umgangs mit Konflikten. Sein Konzept von »reconciliation« zeigt aufschlussreiche Verwandtschaft mit dem Gütekraft-Ansatz. Er ordnet verschiedene Konzepte zum Umgang mit Konflikten danach, in welchem Ausmaß beide KonfliktpartnerInnen bei der Lösungssuche beteiligt sind (siehe Grafik).
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