Harald Boehme: 1 Artikel
Der Zweck der Wissenschaft: der Frieden
Die Haltung des Wissenschaftlers zur Frage des Friedens wird oft als seine persönliche Entscheidung betrachtet. Die Wissenschaft selbst vermeidet es, ihm darauf eine Antwort zu geben, um sich den Schein der Objektivität zu wahren. Die Frage, ob der Frieden mit Rüstung zu vereinbaren sei, erscheint unwissenschaftlich, weil sie politisch ist. Doch damit gibt die Wissenschaft der Politik nach, welche für den Frieden rüstet und dabei, gewollt oder nicht, den Krieg vorbereitet. Die vermeintliche Objektivität der Wissenschaft steht dabei im Dienst der Subjektivität des Staates, der sich der Wissenschaft für die Rüstung bedient. Diesem Staat gegenüber soll der Wissenschaftler verantwortlich sein und seinem eigenen Gewissen, welches ihn vor dem Mißbrauch der Wissenschaft bewahren soll. Öffentliche und private Verantwortung bedeuten aber beide kaum mehr, als wissenschaftlich verantwortlich zu sein, d.h. den Kriterien seines Faches zu genügen. Insofern die Wissenschaft an sich jedoch unverantwortlich ist, ist dies auch der Wissenschaftler für sich. An ihn kann keine moralische Forderung gestellt werden, so lange die Institution, der er angehört, selbst keine Moral hat. Das heißt nicht, daß die Wissenschaft an sich unmoralisch ist, sondern daß Wissenschaft ohne Rücksicht auf Moral betrieben wird. Diese Moral soll ihre Tugend sein, unabhängig von gesellschaftlichen Zwängen erfüllt sie ihren Zweck, rein der Wahrheit verpflichtet zu sein. Aber sind die Zwecke der Wissenschaft auch die der Gesellschaft?