Rainer Werning: 17 Artikel
Indonesien: Krieg im Gewand des »Antiterrors« und Nationalismus
Am 21. Mai 2003 jährte sich zum fünften Mal der Abgang des mit 32 Jahren dienstältesten Despoten in Südostasien, doch Freude über das Ende des Ex-Generals Suharto mochte in Indonesien nicht aufkommen. Eine politische Krise folgt der nächsten und die tiefgreifende Wirtschaftsmisere verursacht soziale und kommunale Unruhen Die Militärs, seit Suhartos Zeiten die eigentlichen Machthaber im Lande, demonstrieren ihre Macht, maßen sich an, nach Gutdünken darüber befinden, wer als »Staatsfeind« oder »Terrorist« abgestraft wird und setzten jetzt auch durch, dass über die im Norden der indonesischen Insel Sumatra gelegene Region Aceh das Kriegsrecht verhängt wurde. Notfalls wollen sie den Frieden herbeibomben – mit fatalen Folgen für die Zivilbevölkerung und die nationale Wirtschaft. Über die langjährig unruhige Region Aceh wurde am 19. Mai das Kriegsrecht verhängt. Präsidentin Megawati Sukarnoputri vollzog diesen drakonischen Schritt ohne parlamentarische Zustimmung auf der Grundlage des Gesetzes Nr. 23/1959. Kurz zuvor war der als »zu wenig resolut« eingestufte Militärkommandeur Acehs, Generalmajor M. Djali Jusuf, von der Armeeführung durch einen Hardliner ersetzt worden. Der Krieg in Aceh hat verheerende Konsequenzen für die regionale Zivilbevölkerung und die nationale Wirtschaft. Die Militärs in Jakarta kalkulieren unverhohlen bis zu 200.000 interne Flüchtlinge als Kriegsopfer ein.
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Im Schatten der »Terrorbekämpfung«
US-Militärintervention in Südostasien
Wer glaubte, unmittelbar nach dem Krieg gegen Afghanistan gerieten der Irak oder Somalia ins Visier der US-amerikanischen Militärs, musste umdenken. Die „zweite Front im Kampf gegen den internationalen Terrorismus“ eröffneten die USA Mitte Januar unzeremoniell in den Philippinen. Bereits vorher hatten hochrangige amerikanische Politiker und Militärstrategen mehrfach offiziell erklärt, diese Region sei die „neue Zufluchtstätte für Terroristen“. In Südostasiens ältester Konfliktregion, auf den südphilippinischen Inseln Mindanao und Basilan sowie in der Sulu-See, herrscht vielerorts erneut Krieg. Während in den Philippinen – von der Weltöffentlichkeit weitgehend negiert – wieder US-Truppen stationiert werden, fokussiert sich die neue US-Militärstrategie auf Ostasien und den Pazifik. Zeitgleich mit George W. Bush trat die neue Präsidentin der Philippinen, Gloria Macapagal-Arroyo – in Manilas Medien normalerweise nur GMA genannt –, am 20. Januar 2001 ihr Amt an. Die ehemalige Vizepräsidentin kann sich auf die in dem Land mächtige römisch-katholische Kirchenhierarchie und die Generalität stützen. Ihre erklärte Liebe gilt der Privatisierung der Wirtschaft. Mit dem Namen Macapagal ist bereits das Entree von Weltbank und Internationalem Währungsfonds auf den Inseln verbunden: Ihr Vater war zu Beginn der sechziger Jahre ebenfalls Präsident. Als eingefleischte Neoliberale half GMA bereits als Vizepräsidentin tatkräftig mit, das Land in die Welthandelsorganisation (WTO) einzubinden, heute setzt sie sich mit Verve dafür ein, dass nunmehr auch der gesamte Energiesektor privatisiert wird.
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Friedensgeflüster in Korea
D. J. als Peacebroker?
Wenn das Attribut »historisch« berechtigt ist, dann war der 13. Juni auf der koreanischen Halbinsel ein gewiss geschichtsträchtiger Moment mit großem Symbolgehalt. Offiziell noch im Kriegszustand, tauschten die Staatschefs beider Teilstaaten, Kim Dae Jung und Kim Jong Il, erstmals Freundlichkeiten per Handschlag aus. Vorrangig ging es bei diesem ersten innerkoreanischen Gipfel um Familienzusammenführung und den Ausbau bilateraler Wirtschaftsbeziehungen. Nicht wenig, bedenkt man, dass gegenseitig hochgeschaukelte Feindbilder und Feindseligkeiten ein halbes Jahrhundert lang den Umgang miteinander prägten. Eine friedliche Ära der Entspannung kann nunmehr vermutet, eine dauerhafte Annäherung erwartet, doch eine (Wieder-)Vereinigung keineswegs problemlos auf die Agenda gesetzt werden. Der Gipfel begann, wie sich das Verhältnis zwischen Seoul und Pjöngjang seit 1945 gestaltet hatte – verspätet, unter strikten Sicherheitsbedingungen und, von ausgewählten südkoreanischen Journalisten abgesehen, weitgehend unter Abschottung von der Öffentlichkeit. Noch in der Nacht des 10. Juni hatte der Sprecher des südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung, Park Joon Young, erklärt, Pjöngjang habe vorgeschlagen, den Gipfel um einen Tag zu verschieben – aus „einigen kleinen technischen Gründen“. Park begründete die Verzögerung für koreanische Verhältnisse nachvollziehbar: Der Präsident glaube halt, „dass ein zusätzlicher Tag des Wartens kein Problem darstellt, haben doch beide Seiten darauf ein halbes Jahrhundert gewartet“. Umso größer war dann die Freude der Bevölkerung diesseits und jenseits des 38. Breitengrades, als sie am 13. Juni die Begrüßungszeremonie auf dem Flughafen von Pjöngjang im Fernsehen live miterleben konnte. Für die nordkoreanische Führung ein besonderer diplomatisch-politischer Coup, hatten ihr doch Anfang der neunziger Jahre hochdotierte Analysten von der Londoner »Economist Intelligence Unit« bis hin zu Experten im Washingtoner State Department eine ähnlich rasche Implosion wie in der Sowjetunion und Osteuropa prognostiziert.

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