in Wissenschaft & Frieden 2018-4: Kriegsführung 4.0

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Technologie als Achillesferse

Fallstricke der Drohnenkriegsführung

von Pratap Chatterjee

Drohnen werden gelegentlich fast magische Fähigkeiten zugeschrieben: Sie könnten mit ihren Kameras aus vielen Kilometern Entfernung mit hoher Zuverlässigkeit Menschen identifizieren. Sie könnten mithilfe der Handyortung die Wege und Aufenthaltsorte gegnerischer Personen auf wenige Meter genau ermitteln. Sie würden Daten liefern, die es ermöglichen, die Anwesenheit von Zivilist*innen auszuschließen, bevor ein bestimmtes Ziel angegriffen wird. Kurzum: Sie würden es erlauben, einen »sauberen« Krieg zu führen, der die Zivilbevölkerung verschont. Pratap Chatterjee untersucht, was es mit diesen Behauptungen hat und warum sie mit der Realität allzu oft nur wenig zu tun haben.

Drohnen des US-Militärs, die in Ländern wie Afghanistan, Jemen und Pakistan für gezielte Tötungen eingesetzt werden, haben nur wenig gemeinsam mit zivilen Drohnen, die beispielsweise für Filmaufnahmen aus der Luft dienen, oder mit kommerziell genutzten Drohnen für die Erntebeobachtung oder die Paketzustellung.

Bei den Systemen »Predator« (Raubtier) und »Reaper« (Sensenmann) des US-Militärs handelt es sich vielmehr um Plattformen zur Luftüberwachung, vollgestopft mit Sensoren, die die menschlichen Sinne nachbilden sollen. Zu den »Augen« von Drohnen gehören mehrere Kameras zum Senden von Videos und Wärmesignaturen sowie Radarantennen zur Darstellung von großen Objekten und Geländestrukturen. Die »Ohren« umfassen Empfänger, um Hochfrequenzsignale von Mobiltelefonen oder taktischen Funkgeräten in einer gewissen Entfernung zu erkennen und abzufangen. Zu guter Letzt sitzen auf der Drohne als »Kopf« ein GPS-Gerät und ein so genanntes Trägheitsnavigationsystem zur Positionsbestimmung, außerdem eine gerichtete Satellitenantenne zur Verfolgung und Übertragung der abgefangenen Daten an Relais-Satelliten, die sie für die Analyse und Zielauswahl rund um die Welt leiten.

Schließlich werden die Daten auf die Erde zurückgeschickt und von einem Bodenteam mit bis zu 180 Personen ausgewertet: Nachrichtentechniker*innen, Sicherheitsbeobachter*innen, Expert*innen für die Video- und Bildanalyse sowie Angriffskoordinator*innen und -kommandeur*innen. Dazu kommen Unterstützungscrews, die die Drohnen auf lokalen Flugfeldern in der Nähe des Einsatzortes starten, nach dem Einsatz bergen, warten und betanken (Clausen 2016).

Videobilder

Die Kameras der Militärdrohnen haben überraschend eingeschränkte Fähigkeiten. Im April 2011 wurde einer Einheit der US-Marines, die in Afghanistan in einen Bodenkampf mit den Taliban verwickelt war, eine Predator-Drohne zugewiesen. Die Kommandeur*innen trafen ihre Entscheidung auf der Grundlage von Mündungsfeuer und forderten den Angriff mit einer Hellfire-Rakete an – nur um dann herauszufinden, dass sie Jeremy Smith und Benjamin Rast getötet hatten, zwei US-Soldaten in voller Kampfmontur (Zucchino/Cloud 2014).

Später wurde Jerry Smith, dem Vater von Jeremy, eine Videoaufzeichnung des Luftschlags gezeigt. Er konnte, erzählte er der »Los Angeles Times«, lediglich „drei Kleckse in wirklich dunklen Schatten [sehen]. Man konnte nicht einmal sagen, das waren Menschen – einfach Kleckse.“ Er merkte außerdem an, es sei unmöglich gewesen, ihre Uniformen oder Waffen zu identifizieren oder US-Soldaten von ­Afghan*innen zu unterschieden.

Tatsächlich sagen Predator-Bediener*innen an der Grenze zwischen den USA und Mexiko, sie müssten sich auf direkten Funkkontakt verlassen, um mit ähnlichen Einschränkungen klarzukommen. „Wir können die Grenzpatrouillen sehen, aber nicht ihre Uniformen, und so können wir mit ihnen kommunizieren und sagen, ‚Winkt mit dem Arm‘, und auf diese Weise können wir zwischen unseren Leuten und den Bösewichten unterscheiden“, erklärte Lothar Eckardt, Direktor des Nationalen Zentrums für Luftsicherheitsoperationen des US-Ministeriums für Heimatsicherheit in Corpus Christi, Texas, der »Washington Post« (Booth 2011).

Für Drohnen wird oft damit geworben, dass sie angeblich aus drei Kilometer Entfernung ein Autokennzeichen lesen könnten. Drohnenbediener sagen aber, dass sei selten wahr. „Die Videoaufnahmen einer Drohne sind in der Regel nicht scharf genug, um jemanden zu erkennen, der eine Waffen trägt, selbst an einem vollkommen klaren Tag mit wenig Wolken und perfekten Lichtverhältnissen“, schrieb Heather Linebaugh, eine ehemalige Bildanalystin der US Air Force, 2013 in »The Guardian«. „Das macht es selbst den besten Analysten schwer, eindeutig zu erkennen, ob jemand bewaffnet ist. Mir kommt ein Beispiel in den Sinn: Die Videobilder sind so verpixelt, was, wenn es sich um eine Schaufel handelt, nicht um eine Waffe?“ (Linebaugh 2013)

Einer der Hauptgründe, dass die Drohnen mit Videokameras mit so niedriger Auflösung ausgestattet sind, ist die begrenzte Datenmenge, die eine Drohne in Echtzeit an die Satelliten übertragen kann. Für Predator gibt es nur Modems mit ein bis drei Megabit pro Sekunde (Mbps) Übertragungsrate, und für Reapors auch nur zehn Mbps. Sogar mit der höheren Datenrate eines Reaper kann ein*e Bildanalyst*in keine besonderen Merkmale eines Menschen erkennen.

Auch wenn sich die meisten Diskussionen um die Qualität und Detailgenauigkeit des Bildmaterials von Drohnen drehen, gibt es weitere kritische Faktoren. Archivvideos, auf die die Analyst*innen angewiesen sind, um eine bestimmte Person zu verfolgen (insbesondere, da Drohnenbediener*innen in Schichten arbeiten), müssen exakte Positionsdaten enthalten. Dazu fügen Drohnen dem Bild einen Code bei.

Kürzlich zeigte sich die US Defense Information Systems Agency besorgt, dass in den Metadaten der Videos häufig „falsche Werte, fehlende Schlüssel und beschädigte Daten“ entdeckt wurden, was zum Teil daran liegt, dass Drohnen ihre Position nicht so einfach punktgenau bestimmen können, wie menschliche Bediener*innen, die ihre Geräte physikalisch kalibrieren können und die Daten damit um Faktoren wie Windgeschwindigkeit und -richtung korrigieren können.

Die Agentur führte eine Studie durch, für die sie eine Woche lang die Daten von 80 Überwachungsflugzeugen des US-Militärs, darunter vielen Drohnen, archivierte und auswertete, die Mitte März 2013 im Einsatz waren. Die Ergebnisse zeigten, dass nur zwei von drei Flugzeugen Positionsdaten liefern konnten. Außerdem schwankte die Datenqualität erheblich: Predator und Reaper mit analoger Videotechnik übermittelten nur alle zwei bis vier Sekunden vollständige Datensätze, d.h. sie liefern nur etwa ein Prozent der Positionsdaten eines bemannten Flugzeugs, das seine Position 30 Mal in der Sekunde übertragen kann (Bennett et al. 2013).

Wärme- und Infrarotbilder

Am 15. Januar 2015 schlugen zwei US-Raketen in Shawal, Nord-Waziristan, in ein Haus ein und setzten es in Brand; alle Menschen im Haus kamen um. Den Drohnencrews auf der anderen Seite der Welt war gesagt worden, es sei mit vier Opfern zu rechnen. Erstaunt beobachteten sie beim Aufklärungsflug nach dem Raketeneinsatz, dass sechs Leichen aus der Ruine gezogen und muslimisch bestattet wurden (The Bureau of Investigative Journalism 2015).

Etwa drei Monate später teilte ein grimmig aussehender Präsident Obama mit: „Ein US-Bürger, Dr. Warren Weinstein, und ein Italiener, Giovanni Lo Porto […] wurden tragischerweise bei einer Antiterroroperation getötet. […] Aufgrund der uns damals vorliegenden Geheimdienstinformationen, darunter Hunderte Stunden Aufklärung, gingen wir davon aus, dass es sich um ein Anwesen der al-Kaida handelt, dass keine Zivilisten vor Ort sind.“ (The White House 2015)

Obamas offizielle Erklärung lässt keine Zweifel, dass die US vor hatten, das Anwesen anzugreifen und alle Menschen im Gebäude zu töten. Geheimdienstoffiziere sagten später, mehr als 400 Stunden Videoaufklärung im Verlauf mehrerer Wochen hätten ergeben, dass nur vier Menschen vor Ort seien, und alle vier wurden für Kämpfer gehalten (Jaffe 2015).

Um die US-Einsatzregeln von 2013 einzuhalten, die »nahezu Sicherheit« fordern, dass keine Zivilisten beschossen werden, hatten die Analysten eine weitere Maßnahme ergriffen. „Um sicherzustellen, dass sich niemand anders im Anwesen versteckt, hatte die CIA auch den Wärmesensor der Drohne genutzt, der die eindeutige Wärmesignatur eines menschlichen Körpers erkennen kann“, schrieb Adam Entous später im »Wall Street Journal« (Entous 2015).

Was an diesem Eingeständnis besonders auffällt, ist, dass weder die Videokameras noch der Wärmesensor die Anwesenheit zweier weiterer erwachsener Männer aufdeckten, die auf dem Anwesen lebten.

Es erstaunt nicht so sehr, dass das Videobild schlecht war, problematischer ist die Tatsache, dass auch der als Rückfallsystem genutzte Wärmesensor versagte.

Predator und Reaper sind mit vorwärts gerichteten Infrarotsensoren (FLIR) ausgestattet. Gegenüber Radarsystemen haben sie eigentlich den Vorteil, dass sie keine Impulse aussenden, die vom Zielobjekt erkannt werden könnten, und dass sie durch Rauch, Dunst und leichten Nebel »sehen« können. Dronenbediener*innen nutzen sie oft bei Nacht, aber auch tagsüber sollten die Wärmesignaturen die Bildanalyst*innen in die Lage verstzen, Wärmequellen wie warme Körper und Waffen zu erkennen.

Allerdings wird die Bildqualität durch Luftfeuchtigkeit, Luftverschmutzung, Regen und Abstand vom Zielobjekt beeinträchtigt. Mit FLIR-Wärmesensoren gibt es weitere Probleme: Sie können eine Person nicht von einer anderen unterscheiden, können nicht durch Bäume sehen und werden an heißen Tagen, durch viele Wärmequellen in städtischen Gebieten und sogar durch eine klug platzierte Decke, die Körperwärme abführt, ziemlich leicht verwirrt. Auch können sie nicht in Keller oder unterirdische Bunker sehen.

Desweiteren ist es schwer, beim Filmen aus 3.000 Meter Höhe oder mehr eine unbelebte Wärmequelle von einer anderen zu unterscheiden. Oberstleutnant Mark McCurley, ein ehemaliger Drohnenpilot der US Air Force und uneingeschränkter Befürworter des Predator, berichtete, dass ein junger Analyst, mit dem er zusammenarbeitete, eine Zigarette mit einem Gewehr verwechselte. „Auf einem Infrarotbild sehen Raucher bei Nacht oft so aus, als hielten sie eine Minisonne in ihrer Hand“, schrieb McCurley (2015).

Fachleute sagen, Wärmebilder können sogar die Zielgenauigkeit verringern, da sie die Beobachter dazu verleiteten, vorschnelle Schlüsse zu ziehen. „Anhand der Temperatur zu sehen, verwandelt jedermann in einen potentiellen Verdächtigen oder ein Ziel“, schrieb Lisa Park, Direktorin am Zentrum für Informationstechnik und Gesellschaft der University of California in Santa Barbara. „Während andere Systeme zur Unterscheidung und Beobachtung von Menschen auf der Basis von Hautfarbe, persönlichen Daten bzw. Gesichtserkennung funktionieren, verwandeln Infrarotluftbilder alle Körper in verschwommene menschliche Formen, die man nicht wie bei sichtbarem Licht anhand von Geschlecht, Hautfarbe oder Klassenzugehörigkeit unterscheiden kann.“ (Parks 2014)

Ortung von Mobiltelefonen

Die Ortung eines Telefons mithilfe einer Drohne gestaltet sich ebenfalls überraschend schwierig. Mobiltelefone beispielsweise schicken alle paar Sekunden eine Nachricht an einen lokalen Mobilfunkmast, um ihre Position zu melden. Deshalb glauben die meisten Menschen, das Gerät könnte in dem Moment, in dem es eingeschaltet wird und Kontakt mit dem Mast aufnimmt, präzise geortet werden. In der Tat nutzt die Polizei in den USA Mobiltelefondaten routinemäßig als Begründung für Verhaftungen und argumentiert damit vor Gericht für eine Verurteilung.

Die von einem Mobiltelefon ausgesendeten Signale sind aber nicht gerichtet. Sie gehen, soweit sie reichen, in alle Richtungen, wie Kreise im Wasser, wenn ein Stein hineingeworfen wird. Folglich ist das Signal sehr einfach abzufangen, solange es sich im Empfangsbereich einer Abhörantenne befindet.

Obgleich es logisch scheint, dass sich Mobiltelefon automatisch beim nächstgelegenen Mobilfunkmast anmeldet, ist das keineswegs der Fall. Vielmehr schickt es seine Signale an alle lokalen Masten, die es finden kann. In einem regionalen Vermittlungsknoten leitet eine spezielle Software einen Anruf anhand vielfältiger Kriterien weiter: die Signalstärke des Telefons, das lokale Wetter und welche Masten wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet sind. Für jeden Mast wird ein Register der Besucherposition geführt, es gibt aber keine Garantie, dass das Telefon tatsächlich in seiner Nähe war.

“Ihr Telefon sucht nach dem Mast mit der besten Signalqualität“, sagte Michael Cherry, ein ehemaliger Berater von Bell Labs und der NASA, der von US-Gerichten häufig als Sachverständiger für Mobilfunkdaten geladen wird. „Aber der Mobilfunkmast mit dem besten Signal ist vielleicht nicht der nächstgelegene Mast, vielleicht nicht einmal der zehntnächste Mast.“ (Interview mit Michael Cherry, April 2017)

Das System ist so variabel, dass Sie an Ihrem Schreibtisch sitzen, hintereinander fünf Anrufe tätigen und dabei mit fünf verschiedenen Masten verbunden werden könnten“, sagt Douglas Starr. „Der Vermittlungsknoten kann nach allen möglichen Faktoren suchen, die meisten davon sind Teil der firmeneigenen Software des Telefonunternehmens. Das einzige, was Sie mit Sicherheit sagen können ist, dass Sie sich mit einem Mobilfunkmast in einem Umkreis von rund 20 Kilometer verbunden haben.“ (Starr 2014) Das ist etwa so, als ob sie zwar wissen, in welchem Landkreis ein Haus liegt, aber nicht, in welcher Stadt oder gar in welcher Straße.

Verfolgung der Daten

Wie verfolgt das Militär die Daten, die von zahlreichen Drohnen eingehen? Insgesamt werden Daten von etwa 700 unterschiedlichen Aufklärungsquellen in eine Datenbank des US-Militärs eingespeist (Dimichele 2016), darunter Echtzeit-Videoströme, Wärmebilder, Radar- und Mobiltelefon-Ortungsdaten. Dieses Distributed Common Ground System – DCGS, verteiltes gemeinsames Bodensystem – liegt auf Dutzenden miteinander vernetzter Militärcomputer rund um die Welt. Das System wird von mehr als 70 Unternehmen erstellt und gewartet, darunter Booz Allen Hamilton aus Virginia, L-3 Communications, Lockheed Martin und Raytheon (U.S. Air Force 2015).

Dieses Datenbanksystem wurde wiederholt als Multi-Milliarden-Dollar-Fass ohne Boden bezeichnet. Unglaubliche 54 von 64 DCGS-Benutzer*innen der US Air Force, die 2015 vom Institut für Verteidigungsanalysen befragt wurden, benoteten seine Tauglichkeit schlechter als schlecht (IDA 2015). Eine Evaluierung des Pentagon ergab 2016, dass das System der US Air Force 67 Prozent der Zeit nicht zur Verfügung stand (DoD 2016). Und einem weiteren Evaluierungsbericht des Pentagon von 2012 ist zu entnehmen, dass das DCGS-System der US Army alle acht Stunden neu gebootet werden muss (U.S. Army 2012).

„Bataillonskommandeure und -mitarbeiter deuteten an, dass sie [DCGS] für den Bodenkrieg nicht für sehr nützlich hielten. Als Notbehelf griffen einige Bataillonsanalysten zur Verfolgung der Kämpfe auf Stift und Papier zurück“, schrieb J. Michael Gilmore, Büroleiter des Direktors der Abteilung für Operationelle Tests und Evaluierungen im Pentagon, in einer Evaluierung des DCGS-Systems der US Army (DoD 2016).

Das Drohnenprogramm überprüfen

Mehrere offizielle Studien haben eindeutig gezeigt, dass bei der Drohnenkriegsführung aufgrund von fehlerhaften Daten schwere Fehler gemacht werden. Dr. Larry Lewis, ehemals beim US-Zentrum für Marineanalysen, untersuchte die Vorfälle mit zivilen Opfern in Afghanistan, bei denen nach Luftschlägen Bodentruppen die Wirkung des Angriffs analysierten. Er identifizierte in 21 Fällen getötete oder verletzte Zivilist*innen. Vorläufige Auswertungen mittels Drohnenvideos hatten jedoch in 19 dieser 21 Fälle keine zivilen Opfer identifiziert.

Die Studie unterliegt zwar weiter der Geheimhaltung, Lewis hat aber über die Ergebnisse berichtet. „Da ich Luftschläge in Afghanistan über mehrere Jahre untersucht habe, kam ich zum Schluss, dass mein Befund den Tatsachen entspricht“, erzählte Lewis »The Guardian« (Ackerman 2013).

Im Jahr 2015 veröffentlichte »The Intercept« Einzelheiten aus mehreren anderen Studien, die ein Whistleblower an die Öffentlichkeit gebracht hatte. Eine Studie zeigte auf, dass im Osten Afghanistans innerhalb von fünf Monaten mehr als neun von zehn Menschen, die bei US-Drohnenschlägen ums Leben kamen, nicht die beabsichtigen Zielpersonen waren (Devereaux 2015).

So kam auch US-Generalmajor James Poss in seiner Untersuchung eines Drohnenschlags in Uruzgan, Afghanistan, bei dem 23 unschuldige Dorfbewohner*innen und Kinder zu Tode kamen, zum Schluss: „Technik kann Dir gelegentlich ein falsches Sicherheitsgefühl geben, dass Du alles sehen kannst, dass Du alles hörst, dass Du alles weißt.“ (Zucchino/Cloud 2014) Vicki Civoli, ehemalige stellvertretende Rechtsberaterin am Zentrum für Terrorismusbekämpfung der CIA, brachte es noch deutlicher auf den Punkt. „Geheimdienstinformationen sind kein Beweis.“ (Divoli 2013)

Literatur

Ackerman, S. (2013): U.S. Drone Strikes More Deadly to Afghan Civilians than Manned Aircraft – Adviser. The Guardian, 2.7.2013.

Bennett, B.; Bussert, D.; Goldstein, D. (2013) Analysis of Operational Airborne ISR Full Motion Video Metadata. Paper for MILCOM 2013 – 2013 IEEE Military Communications Conference, 18.-20.11.2013.

Booth, W. (2011): More Predator drones fly U.S.-Mexico border. Washington Post, 11.12.2011.

Clausen, C. (2016): Flying the RPA Mission. U.S. Air Force, 432nd Air Expeditionary Wing Public Affairs, 22.3.2016.

Devereaux, R. (2015): Manhunting in the Hindu Kush. The Intercept 15.10.2015.

Dimichele, R. (2016): New DCGS-A Capabilities Improve Intelligence Gathering Processes. U.S. Army public affairs, 13.7.2016.

Divoli, V. (2013) im Dokumentarfilm »Unmanned«. Oktober 2013; bravenewfilms.org/unmanned.

Department of Defense/DoD (2016): Subject: Air Force Distributed Common Ground System (AF-DCGS), System Release 3.0 Operational Utility Evaluation. Memorandum from Opera­tional Test & Evaluation Directorate (DOT&E). 20.7.2016.

Entous, A. (2015): Obama Kept Looser Rules for Drones in Pakistan. The Wall Street Journal, 26.4.2015.

Institute for Defense Analyses/IDA (2015): Case Study – Air Force Distributed Common Ground System. 20.5.2015; dote.osd.mil.

Jaffe, G.; Goldman, A.; Miller, G. (2015): Officials fear CIA missed opportunity to identify Western hostage. Washington Post, 10.9.2015.

Linebaugh, H. (2013): I worked on the US drone program – The public should know what really goes on. The Guardian, 29.12.2013.

McCurley, M. (2015):. I was a Drone Warrior for 11 Years. I Regret Nothing. Politico, 18.10.2015.

Parks, L. (2014): Drones, Infared Imagery, and Body Heat. International Journal of Communication, No. 8.

Starr, D. (2014): What Your Cell Phone Can’t Tell the Police. The New Yorker, 26.6.2014.

U.S. Air Force (2015): Air Force Distributed Common Ground System. Fact Sheet, 13.10.2015.

U.S. Army (2012): Distributed Common Ground System Army. Factsheet. Verfügbar auf ­globalsecurity.org.

The Bureau of Investigative Journalism (2015): Pakistan Reported U.S. Strikes 2015. 1.5.2015.

The White House (2015): Statement by the President on the Deaths of Warren Weinstein and Giovanni Lo Porto. Press release, 23.4.2015.

Zucchino, D.; Cloud, D. (2011): U.S. deaths in drone strike due to miscommunication report says. Los Angeles Times, 14.10.2011.

Pratap Chatterjee ist investigativer Journalist und arbeitet für digitale und Printmedien sowie für den Rundfunk. Schon mehrmals erhielt er für seine Afghanistan-Berichterstattung »Project Censored«-Preise – das sind Auszeichnungen für brennende, aber von den Medien vernachlässigte Themen. Er ist Geschäftsführer von CorpWatch (corpwatch.org).

Aus dem Englischen übersetzt von ­Regina Hagen.

in Wissenschaft & Frieden 2018-4: Kriegsführung 4.0

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