W&F 2025/2

92 % weniger Entwicklungsleistungen

Worum geht es?

  • Die US-Regierung hat angekündigt, fast 6000 Verträge der US-Entwicklungsbehörde USAID zu kündigen – insgesamt 92 % (Reuters 2025). Donald Trump löst damit sein Wahlversprechen ein, die humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit (EZ) der USA (größtenteils) einzustellen. Auch die internationale Zusammenarbeit (z.B. UNO und WHO) wird diskreditiert.
  • »America First«: Dem transaktionalen Politikverständnis nach wird EZ als »Verschwendung« wichtiger Ressourcen für »andere« verstanden, der keine entsprechende Gegenleistung folge.
  • Im Globalen Norden ist aufgrund wirtschaftlicher und geopolitischer Spannungen, sowie innenpolitischer Neuausrichtungen ein allgemeiner Rückgang der Entwicklungszusammenarbeit zu verzeichnen (OECD 2023).
Grafik Entwicklungshilfeleistungen …

Entwicklungshilfeleistungen (ODA) des OECD Development Assistance Committee (DAC), der USA und Deutschland in absoluten Zahlen und % des Bruttonationaleinkommen (2024-2026 als Prognose). ­Eigene ­Darstellung, Daten: OECD 2023.

Was sagen die Daten?

  • Die USA sind traditionell der größte Geber (in absoluten Zahlen) für EZ und humanitäre Hilfe. Allein 2023 zahlten die USA knapp 64,7 Mrd. USD (ca. 60 Mrd. Euro) an öffentlichen Entwicklungsleistungen und stellten 42 % der humanitären Hilfe (Destatis 2023). Misst man die Summen jedoch am Bruttoinlandsprodukt, führt Norwegen mit 1,09 %. Deutschland liegt auf Platz 2 (i.a.Z.) bzw. Platz 4 (BIP). (ebd.)
  • USAID ist beinahe in allen akuten Kriegs- und Konfliktgebieten tätig, darunter Syrien, Sudan, Gaza und Ukraine. Letztere allein erhielt 2023 16,6 Mrd. USD (Der Spiegel 2025).
  • Die drastischen Kürzungen treffen Programme in mehr als 100 Ländern weltweit und gefährden mindestens 120 Millionen Menschen. Allein durch Rückschritte im afrikanischen Gesundheitssektor könnten bis zu 4 Millionen Menschen sterben. (VENRO 2025)
  • Der Kürzungstrend in der EZ beschränkt sich nicht auf die USA. Tatsächlich wurde der Haushalt des deutschen Entwicklungsministeriums (BMZ) seit 2018 um 17 % gekürzt, das Budget der humanitären Hilfe (Außenministerium) um 44 % (vgl. Deutscher Bundestag 2025).
  • Die neue Bundesregierung strebt eine „wertegeleitete Interessenpolitik“ an: Sie konzentriert sich auf „wirtschaftliche Zusammenarbeit“, die „Sicherung des Zugangs zu Rohstoffen, Fluchtursachenbekämpfung [und den] Energiesektor“ (CDU/CSU & SPD 2025).

Friedenspolitische Konsequenzen?

  • Derlei drastische Kürzungen im Bereich der EZ und humanitären Hilfe könnten zu einer Schwächung von Präventionsprogrammen und Friedensförderung führen. Destabilisierende Auswirkungen auf bestehende Konflikte und fragile Kontexte sind die Folge. Eine Verschlechterung der Lebensumstände weltweit (u.a. Gesundheit, Ernährung, Bildung) durch den Abbau von EZ verstärkt zudem Konflikt- und Fluchtdynamiken.
  • Das politische und finanzielle Vakuum dient, laut einer internen Analyse des BMZ, vor allem Russland und China (Der Spiegel 2025).
  • Eine Stärkung internationaler Organisationen könnte temporäre Schwankungen in den politischen Agenden und dem finanziellen Engagement von Nationalstaaten wenigstens kurzfristig ausgleichen.
  • Deutschland: Politikfelder wie Außen-, Sicherheits-, Klima- und Migrationspolitik müssen ressortübergreifend gedacht werden. Die verbleibenden Mittel für EZ müssen nachhaltig investiert werden, um langfristiger Instabilität und Krisenanfälligkeit entgegenzuwirken.
  • Stiftungen, NGOs und Zivilgesellschaft kompensieren vermehrt staatliche Ausfälle. Dieses Gewicht kann eingesetzt werden, um politischen Einfluss zu nehmen.

Literatur

Reuters (2025): Trump administration memo tells USAID to put America first in reviewing foreign aid. Reuters, 26.01.2025.

Statistisches Bundesamt (Destatis) (2023): Entwicklungsleistungen 2023. Destatis.

CDU/CSU & SPD (2025): Koalitionsvertrag 2025.

Deutscher Bundestag (2025): Pressemitteilung – Kürzungen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Bundestag, 23.08.2024.

VENRO (2025): Pressemitteilung – US-Entwicklungsleistungen gestoppt: Deutschland muss Verantwortung übernehmen. VENRO, 06. Februar 2025

OECD (2023): Official Development Assistance (ODA) 2023.

Der Spiegel (2025): Der Kahlschlag bei USAID trifft die Ukraine ganz besonders. Der Spiegel, 06.03.2025.

erschienen in: Wissenschaft & Frieden 2025/2 Nicht Verzagen! Weitermachen in Zeiten multipler Krisen, Seite 22