W&F 2026/2

Aktuelle Mitteilungen der Herausgeberorganisationen


Neue Herausgeberorganisation »Friedensinstitut Freiburg«

Das »Friedensinstitut Freiburg« an der Evangelischen Hochschule in Freiburg ist seit Anfang Mai 2026 die 13. Herausgeberorganisation von W&F. „Neben der gebündelten wissenschaftlichen Expertise verstehen wir Wissenschaft und Frieden als wichtiges Forum für Austausch und Reflexion, das wir gerne mitgestalten“, so Melanie Hussak, Professorin am Friedensinstitut. Am Friedensinstitut ist das Masterprogramm »Friedenspä­dagogik / Peace Education« angesiedelt, der deutschlandweit einzige vollständige Studiengang in diesem Teilfeld der Friedens- und Konfliktforschung. Vorstand und Redaktion von W&F sind sehr erfreut, dass das Friedens­institut Freiburg nun Teil des Herausgeberkreises ist und wichtige Impulse aus den Bereichen Friedenspädagogik und Friedensethik in die Arbeit des Zeitschriftenprojekts mit einbringt“ (mehr Informationen: friedensinstitut-freiburg.de).

Ringvorlesung »Konflikte in Gegenwart und Zukunft« fokussiert Frieden

Seit über 25 Jahren organisiert das Zentrum für Konfliktforschung der Philipps-Universität Marburg die Vortragsreihe »Konflikte in Gegenwart und Zukunft«, die bereits über 40 Jahre Bestand hat. Die Reihe richtet sich an Bürgerinnen und Bürger, Studierende, Mitarbeitende der Universität und alle Interessierten.

Da er derzeit so umkämpft ist wie selten, fokussiert die Reihe in diesem Sommersemester (organisiert und moderiert von Prof. Dr. Susanne Buckley-Zistel) auf die Frage: »Was ist Frieden?« Die Vorträge in der Reihe versuchen zu beantworten, auf welchen Vorstellungen er beruht, wer sich für ihn einsetzt und wie er herbeigeführt werden kann? Die Vortragsreihe lädt dazu ein, Frieden als komplexes und gestaltbares Konzept zu reflektieren – und ihn gerade vor dem Hintergrund von Krieg und Zerstörung wieder stärker in den Fokus wissenschaftlicher und öffentlicher Debatten zu rücken (mehr Informationen: uni-marburg.de/konfliktforschung).

IALANA: Veranstaltung »30 Jahre IGH-Gutachten« zur Ächtung der Drohung mit Atomwaffen

2026 jährt sich das Gutachten (»Advisory Opinion«) des internationalen Gerichtshofs (IGH) zur Drohung mit Atomwaffen zum dreißigsten Mal. Initiiert wurde dieses wegweisende Gutachten ab 1992 durch das World Court Project – einer internationalen zivilgesellschaftlichen Kampagne, die insbesondere von IPPNW, IALANA und IPB organisiert und gefördert wurde. Die Kernaussage des Gutachtens war deutlich: Die Androhung oder der Einsatz von Atomwaffen verstoßen generell gegen die Regeln des Völkerrechts und des Humanitären Völkerrechts. Dennoch modernisieren und stocken die Atomwaffenstaaten ihre nuklearen Arsenale auf. Sie setzen weiterhin auf nukleare Abschreckung und verletzen damit ihre vom IGH bestätigte, völkerrechtliche Verpflichtung, nuklear abzurüsten – auch noch 30 Jahre nach Veröffentlichung des Gutachtens. Zu diesem Anlass fragen die damaligen Trägerorganisationen nach dem Gutachten, seinen Auswirkungen und seiner Aktualität im Rahmen einer eintägigen Veranstaltung im Kulturzentrum Pavillon in Hannover am 21. Juni. Anmeldung unter: ialana.de.

Leuchtturm naturwissen­schaftlicher Verantwortung

Erinnerungen an Kathryn Nixdorff

Die Gemeinde der naturwissenschaftlichen Friedensforschung trauert um Kathryn Nixdorff, die am 23. März 2026 verstarb.

Kathryn war emerierte Professorin für Mikrobiologie und Genetik an der Technischen Universität Darmstadt und lebte zuletzt in Berlin. Geboren am 3. August 1940 in den USA, promovierte sie 1967 an der University of Florida in Gainesville, wo sie ihren Mann kennen lernte, den Politikwissenschaftler Peter Nixdorff. Nach einer Dozentur an der University of Kentucky und einem Humboldt-Stipendium am Max-Planck-Institut für Immunbiologie in Freiburg in den 1970er Jahren kam sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin nach Darmstadt. Nach der Habilitation wurde sie 1986 auf die Professur in Darmstadt berufen, wo sie bis zu ihrem Ruhestand forschte und lehrte.

Parallel zu ihrer akademischen Laufbahn setzte sie sich für verantwortungsvolle Forschung in den Bio- und Lebenswissenschaften ein. Ein äußerer Anlass war die Stationierung von Mittelstreckenraketen in Europa in den 1980er Jahren und die Debatte über die Rolle der Wissenschaft für Aufrüstung und Abrüstung. Ein fachlicher Anlass war ihre Sorge, dass die neuen mikrobiologischen Möglichkeiten für Waffenanwendungen nutzbar werden könnten. An den Friedensaktivitäten in Darmstadt beteiligte sie sich wie auch andere Universitätsangehörige in Forschung und Lehre.

Kathryn gehörte zu einer Gruppe von Professor*innen, die 1987 bei der VW-Stiftung den Aufbau einer Forschungsgruppe zur Rüstungskontrolle beantragten. Nach erfolgreicher Bewilligung wurde 1988 die »Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Naturwissenschaft, Technik und Sicherheit« (IANUS) an der TU Darmstadt ins Leben gerufen, zusammen mit weiteren Forschungsgruppen in Hamburg, Kiel, Bochum und München. Daraus entstand 1996 der »Forschungsverbund Naturwissenschaft, Abrüstung und internationale Sicherheit« (FONAS), in dem Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Fachgebieten zusammenarbeiten. IANUS untersuchte Ambivalenz und ­Dual-Use von Forschung und Technik, die bei der Entwicklung von Waffensystemen und der Proliferation von Massenvernichtungswaffen, aber auch in Rüstungskontrolle und Abrüstung nach dem Kalten Krieg Bedeutung erlangten. Dafür erhielt IANUS Anerkennung, insbesondere durch die Verleihung des Göttinger Friedenspreis 2000.

Daran hatte Kathryn Nixdorff maßgeblichen Anteil. In IANUS bearbeitete sie den Projektbereich zur militärischen Nutzung der Gentechnologie als Beitrag zur Frühwarnung im Kontext des Biowaffen-Übereinkommens (BWÜ). Über fast vier Jahrzehnte beschäftigte sie sich mit den Risiken und Beschränkungen biologischer Waffen und damit verbundenen wissenschaftlich-technischen Entwicklungen, was sich in zahlreichen Publikationen niederschlug. Schon früh analysierte sie in W&F zivil-militärische Verflechtungen und Gefahren neuer Forschungen in der Biotechnologie. Sie betonte die Dringlichkeit eines Verifikationsprotokolls im Rahmen des BWÜ und machte weitergehende Vorschläge zur präventiven Rüstungskontrolle in diesem Bereich.

Unter anderen war sie Koautorin eines Buches über die Verhinderung des biochemischen Wettrüstens sowie Mitverfasserin von Stellungnahmen für die Leopoldina und das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag. International engagierte sie sich als Expertin im Umfeld der BWÜ-Verhandlungen, anerkannt von Regierungen und NGOs. Unter anderem war sie aktiv als Beraterin des Verbundprojekts CBWNet, Vorsitzende der deutschen »Arbeitsgruppe Abrüstung und Nichtverbreitung chemischer und biologischer Waffen«, im internationalen Nichtregierungsnetzwerk »Bioweapons Prevention Project (BWPP)« sowie durch die Teilnahme an Pugwash-Tagungen.

Im Ruhestand engagierte Kathryn sich weiterhin mit großem Einsatz für ihre Themen und die Förderung von Bewusstseinsbildung innerhalb der wissenschaftlichen Ausbildung im Bereich Biosicherheit – auch im Widerspruch zur Verschärfung der Weltlage und der besorgniserregenden Entwicklungen in ihrem Heimatland. Der Tod ihres Mannes 2024 war ein schwerer Schlag. Eine ihrer letzten Veröffentlichungen für die Zeitschrift »Biologie in unserer Zeit« im Jahr 2025 beschreibt die Rolle der Lebenswissenschaftler*innen für die Biowaffenkontrolle und betont die Bedeutung wissenschaftlicher Expertise und internationaler Zusammenarbeit wie auch von Verhaltenskodizes und verantwortungsbewusstem Umgang mit der eigenen Forschung: „Diese Selbstverantwortung wahrzunehmen und zu stärken ist ein wichtiges Element dabei, der zunehmenden Dual-Use-Problematik in den Lebenswissenschaften zu begegnen und so einen aktiven Beitrag zur biologischen Abrüstung und Biosicherheit zu leisten.“

Kathryn war sich der Ambivalenz ihres Fachs wohl bewusst und plädierte nicht nur für mehr Selbstverantwortung in den Naturwissenschaften, sondern lebte sie vor. Mit ihrer inspirierenden Ausstrahlung war sie Impulsgeberin und bot Orientierung wie ein Leuchtturm, besonders für jüngere Kolleg*innen. Bei aller Bescheidenheit und Freundlichkeit konnte sie ihre Sicht pointiert einbringen, in den wöchentlichen ­IANUS-Sitzungen ebenso wie den jährlichen Retreats, in denen interdisziplinäre Arbeitsweise und Zusammenarbeit praktiziert wurden. Wir haben von Kathryns fundiertem Wissen profitiert und die Zusammenarbeit mit ihr über die Jahre hinweg sehr geschätzt. Wir vermissen eine hochgeschätzte Kollegin und eine liebe Freundin.

Jürgen Altmann, Matthias Englert, Franz Fujara, Malte Göttsche, Regina Hagen, Iris Hunger, Wolfgang Liebert, Götz Neuneck, Christian Reuter, Jürgen Scheffran

erschienen in: Wissenschaft & Frieden 2026/2 Friedensbewegung(en) heute, Seite 60–61