W&F 1986/3

Editorial

von Paul Schäfer

Zukünftig wird der „Informationsdienst Wissenschaft und Frieden“ wie dieses Heft aussehen. Der Umfang der Zeitschrift wird um ein Drittel erweitert. Das bedeutet: mehr „Dienstleistungen“ für die Arbeit in den verschiedenen Initiativen; ausführlichere wissenschaftliche Analysen zu allen rüstungsrelevanten Themen. Weitere Veränderungen sind geplant: Ausbau der Literaturinformation, Einrichtung einer statistischen Dokumentation etc.. Das verbesserte Angebot hat seinen Preis: ab 1987 kostet das Jahresabonnement: 25,- DM für Berufstätige, 20,- DM für Schüler, Studenten, Arbeitslose und Zivildienstleistende.

Die Friedensbewegung hierzulande hat eine bemerkenswerte Gegenöffentlichkeit etabliert. Wissenschaftler haben in Vorlesungen, Seminaren, Kongressen und Diskussionstoren einen gewichtigen Anteil an der Herausbildung von Fachwissen gegen die Expertokratie von Militärs, Politikern und Rüstungslobbyisten. Dieses Wissen muß dokumentiert und verbreitet werden.

Wissenschaft und Frieden leistet dazu einen Beitrag – auch wenn die Friedenspublizistik mal nicht Hochkonjunktur hat Seit den Anfängen des „Informationsdienstes“ hat sich eine vielfältige Informationsstruktur der Initiativen herausgebildet. Es hat sich aber auch gezeigt, daß diese „Medien“ – Rundbriefe, Informationsblätter etc. – eine Zeitschrift nicht ersetzen können, die umfangreiche, wissenschaftliche Beiträge publiziert. Die Nachfrage nach dem „Informationsdienst“ ist stetig gestiegen. Dies ermutigt uns, nach dem Vorbild des „Bulletin of the Atomic Scientists“, den Infodienst zu einer friedenswissenschaftlichen und -politischen Zeitschrift weiterzuentwickeln.

Im eben vorgelegten „Faktenbericht 1986 zum Bundesbericht der Forschung“ ist zu lesen: 67 % des in den Jahren 1982-1986 erzielten Zuwachses an Bundesausgaben für Forschung und Entwicklung gingen in den militärischen Bereich. Ein Vertreter des BMFT stand jüngst nicht an, den in den Großforschungseinrichtungen Tätigen die Mitarbeit an SDI-Forschungsaufträgen zu empfehlen. Die Militarisierung der Wissenschaft schreitet auch hierzulande voran. Wissenschaft und Frieden berichtet über diese Trends, bringt Daten und Material. Wissenschaft und Frieden informiert zugleich über die sich entwickelnde Opposition. Die Diskussion über die Rüstungsforschung findet hier statt. In den einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen hat eine Reflexion auf die jeweilige Verstrickung in das Thema „Krieg und Frieden“ eingesetzt. Erinnerungsarbeit ist vonnöten: Wissenschaftler und Künstler haben immer den Feldzügen der Oberen den Weg bereiten helfen; sie haben aber auch Beiträge zur Ausbildung von Humanität und Friedensfähigkeit geleistet. Aufzuarbeiten sind die „fachlichen“ Dispositionen, die kriegerische Vereinnahmung möglich gemacht haben. Gängige Methoden, Theorien und Weltbilder werden in Frage gestellt. Die gegenwärtigen Anstrengungen der Wissenschaftler sind weit mehr als der Versuch „immanenter“ Kritik. Die Gegenstände der Kritik sind immer auch gesellschaftlicher Natur: Technologie, Industrie, Medien, Kunst (…)

Das Umdenken in der Wissenschaft ist Bestandteil einer neuen Kultur, die an den Zielen Frieden, Humanität, Gerechtigkeit orientiert ist.

Wissenschaft und Frieden bearbeitet das Thema „Wissenschaft, Krieg, Frieden“ systematisch und kontinuierlich, fördert den Interdisziplinären Dialog und will damit zu diesem „Kulturbildungsprozeß“ beitragen.

Wissenschaft und Frieden wird künftig in Bonn gemacht. Die Einrichtung einer „Informationsstelle Wissenschaft und Frieden“ soll helfen, die Voraussetzungen für die angestrebte Qualitätsanhebung zu schaffen. Wir werden dann in der Lage sein, die Arbeit „vor Ort“ besser zu unterstützen: Mehr Literaturhinweise, Fortsetzung der Expertenkartei, Erstellung von Mustervorträgen und Diaserien, Aufbau einer kleinen Präsenzbibliothek, Sammlung der Materialien der Wissenschaftlerinitiativen und Unterstützung ihrer politischen Arbeit in der Bundeshauptstadt etc.

Wir bauen darauf, daß die große Unterstützung, die der „Informationsdienst Wissenschaft und Frieden“ seit seiner Gründung bekommen hat, bleiben wird: für die Stärkung der Friedensbewegung.

Ihr Paul Schäfer

erschienen in: Wissenschaft & Frieden 1986/3 1986-3/4, Seite