W&F 2026/3

Neuer Vorstand von W&F konstituiert

Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung von W&F wurde der neue geschäftsführende Vereinsvorstand gewählt. Er besteht nunmehr aus acht Mitgliedern, davon sind drei neu mit in der Vorstandsarbeit dabei: Lena Oetzel vertritt den Arbeitskreis Historische Friedensforschung (AKHF) im Vorstand. Sie ist Historikerin an der Universität Salzburg und beschäftigt sich u.a. mit frühneuzeitlichen historischen Friedensprozessen und Diplomatie. Patricia Rinck ist als individuelles Mitglied von W&F in den Vorstand berufen. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Duisburg-Essen und forscht an den Schnittstellen von Friedens- und Konfliktforschung, Entwicklungsforschung und Gender Studies. Monika Lauer Perez ist als drittes neues Mitglied des Vorstands für das Forum Friedenspsychologie (FFP) entsandt. Aktuell ist sie als freiberufliche Beraterin für zivilgesellschaftliche Akteure im Friedensprozess in Kolumbien engagiert. In der Vergangenheit hat sie u.a. traumatherapeutisch mit Folter­opfern der Militärdiktaturen in Argentinien gearbeitet.

Weiterhin in der Vorstandsarbeit mit dabei sind Hans-Jörg Kreowski für das Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF), Juliana Krohn als individuelles Mitglied für das Netzwerk für Friedensforschung und Konfliktbearbeitung in Österreich (NeFKÖ), Christiane Lammers für die Informationsstelle Wissenschaft und Frieden (IWIF), Gregor Walter-Drop für die Friedensakademie Rheinland-Pfalz sowie Michaela Zöhrer für die Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung (AFK). Der Vorstand freut sich über so viel wo*men power und auf die Zusammenarbeit in den nächsten zwei Jahren.

Bittersüß – zum Abschied nach sechs Jahren

Nach sechs sehr ereignisreichen Jahren ist es an der Zeit, die Aufgabe der verantwortenden Redaktion von W&F in die Hände eines neuen Redakteurs zu legen. Ich bin ehrlich, es ist ein bittersüßes Gefühl.

Zur Bitterkeit: Eines der ersten Dossiers, das ich mit betreut hatte, warb 2021 noch für einen beherzten Versuch einer neuen »Entspannungspolitik« im globalen Konkurrenzverhältnis (Dossier 92). Ein warnendes, aber auch ein optimistisches Dossier, an das wir uns heute wieder erinnern sollten. Gerade in dieser Zeit so tiefgreifender Militarisierung, die das Streben nach globaler Demilitarisierung und für friedvolle Zukünfte ausbremst. Dass wir fortgesetzte und neue Gewalt an so vielen Orten dieser Welt zur Kenntnis nehmen müssen, die Wiederkehr eines unverhohlenen Imperialismus, Herausforderungen der Faschisierung und des (digitalen) Autoritarismus, den Anbruch des Zeitalters vollautomatisierten Tötens uvm. – dies sind die vielen bitteren Entwicklungen der letzten Jahre.

Zur Süße: Im Herbst 2023 haben wir das 40-jährige Jubiläum von W&F mit dem emphatischen Motto »Wissenschaft für den Frieden« gefeiert. Eine Leitaufgabe, die uns Zuversicht, Hoffnung und Kraft geben kann: Wie kann sie wirksam werden, solche »Wissenschaft-für«? Welche Rolle, Aufgabe, Verantwortung hat dieses Forschungsfeld für unser Miteinander in einer extrem gewalttätigen Welt? Genau hier sehe ich den Ort von W&F: ein publizistisches Angebot zu erhalten, das das Nachdenken und die Debatte über diese Gewalt, den Umgang damit und die Wege aus ihr heraus ermöglicht – und dann für die Friedenspraxis relevant wird. Es ist für mich unerlässlich, dass W&F dies fortsetzt, auch und gerade dann, wenn es nicht leicht ist, die Zuversicht zu behalten. Auch ich werde genau diese Arbeit an anderer Stelle fortsetzen, ich werde der Friedensforschung und der Friedensarbeit nicht abhanden kommen – nur in anderer Funktion weiter wirken.

Dabei bin ich auch sehr dankbar, dass diese Flamme für W&F weitergetragen und genährt werden wird: von Adrian Paukstat, der mit einiger Vorerfahrung die verantwortende Leitung übernimmt und dem ich dafür ein glückliches Händchen und viel Widerstandskraft wünsche; vom großartigen Redaktionskollektiv, das all die viele rein ehrenamtliche Zeit in dieses Projekt gießt und von dem sich ein*e jede*r mit unglaublich viel Bereitschaft der Heftkonzeption, Artikel­akquise, redaktionellen Betreuung und der Weiterentwicklung des Projektes widmet; vom Vorstand, der ebenso rein ehrenamtlich dieses Projekt strukturell erhält und auszubauen hilft, gegen alle Widrigkeiten; und natürlich nicht zuletzt von Ihnen, liebe Leser*innen, ohne die ein solches publizistisches Projekt nichts wäre. Einiges haben wir Ihnen und uns in den letzten Jahren zugemutet: Die Veränderungen am und im Heft, eine neue Webpage, Social-Media-Auftritte, die internen Weiterentwicklungen des Redaktionskollektivs und die Neubesetzung des Beirats – ich bin mir sicher: Es hat uns zukunftsfähig erhalten und uns Kraft gegeben. Hier liegt das süße Moment in diesem Abschied: dass ich weiß, wie stark das Projekt dasteht und dass es in tragende Hände übergeben wird. Dafür bin ich sehr dankbar.

Eine persönliche Notiz zum Schluss: Über die letzten sechs Jahre ist meine Tochter zu einem Schulkind aufgewachsen, sie hat an der Arbeit ihrer Eltern erfahren, wie viel Gewalt in dieser Welt ist und was es bedeutet, sich für deren Überwindung einzusetzen. Wenn ich sie ansehe, wird mir jeden Tag aufs Neue klar, warum es so wichtig ist, dass wir das Streben nach anderen Wegen weiter verfolgen. Auch dies bittersüß, aber so wichtig,

Bild von David Scheuing

Ihr David Scheuing

Ein neues Kapitel

Mit der kommenden Ausgabe von Wissenschaft und Frieden werde ich die verantwortende Redaktion der Zeitschrift von David Scheuing übernehmen. Eine Aufgabe, die im Bewusstsein der großen Fußstapfen, in die ich treten werde, in mir ebenso viel Respekt wie Vorfreude hervorruft. Mein eigener Weg zu W&F war ein gewundener. Nach einem Studium der sozialwissenschaftlichen Konfliktforschung an der Universität Augsburg, ersten journalistischen Erfahrungen beim dis:orient Online-Magazin und friedens­politischem Engagement im Kontext Israel/Palästina und im AK Herrschaftskritische Friedensforschung der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung war ich lange Jahre eher abseits von Empirie und Praxis tätig und habe als politischer Theo­retiker gelehrt und publiziert. Nichtsdestoweniger stand auch in dieser Zeit – wenn auch auf eher begrifflicher Ebene – die Reflexion über die Bedingungen und Möglichkeiten weltverändernder und -gestaltender politischer Praxis im Zentrum meiner Arbeit. Aus dieser Erfahrung möchte ich in meiner Arbeit für Wissenschaft und Frieden schöpfen – eine Zeitschrift, die die Vermittlung von Theorie und Praxis wohl nicht zufällig bereits im Namen trägt.

Mehr denn je stellt sich heute friedenspolitisch Engagierten – sei es aus aktivistischer, sei es aus wissenschaftlicher Perspektive – die Herausforderung, in einer Welt denken und handeln zu müssen, die unseren Idealen nicht helfend entgegenkommt. Die organisierte Friedlosigkeit derjenigen, denen der Planet zuvorderst Beute ist, droht stets auch auf einen selbst abzufärben. Zunehmend sickert der schnarrende Befehlston in gesellschaftspolitische Debatten ein, in denen einem ehemals Streitbares nun als Sachzwang gegenübertritt, der Unterordnung einfordert. Die Umstände scheinen permanent zum faulen Kompromiss zu drängen, gipfelnd im faulsten aller: der Überzeugung, dass nur die Gewalt der Gewalt widerstehen könne.

So notwendig die Zurückweisung einer Gewaltlogik sein mag, deren militaristische Konsequenzen Tag für Tag spürbarer werden, so wenig kann sie an sich schon die Frage beantworten, wie wir uns zu einer Welt zu verhalten haben, die die Gewalt stets als plausibelste Handlungsoption erscheinen lässt. Denn dass wir uns nicht in die unbefleckte Reinheit hehrer Ideale zurückziehen können, steht außer Frage; kann doch die Veränderung der Welt nur in der Welt stattfinden. Gerade diejenigen, die für einen Frieden eintreten, der mehr bedeutet als die bloße Abwesenheit von Krieg, und deren Friedenswunsch mehr zum Ausdruck bringt als das Bedürfnis, von der anderswo stattfindenden Gewalt nicht behelligt zu werden, werden Kompromisse machen müssen. Damit sich diese nicht als faul herausstellen, braucht es die Debatte. Und dafür ein Debattenmedium. Als ein solches habe ich Wissenschaft und Frieden auch als Leser immer schon wahrgenommen und ich freue mich darauf, die Zeitschrift in diesem Geiste zukünftig mitgestalten zu dürfen,

Bild von Adrian Paukstat

Ihr Adrian Paukstat

Ein Leben für Frieden und Ökologie

Nachruf auf Hans Günter Brauch

Bild von Günter Brauch

Am 5. Juli 2026 ist Hans Günter Brauch im Alter von 79 Jahren verstorben, eine führende Persönlichkeit im Fachgebiet der Internationalen Beziehungen. Er veröffentlichte zahlreiche Artikel und Bücher, insbesondere zu Themen der Friedens- und Konfliktforschung sowie der Umweltpolitik. In Deutschland war er unter anderem als Lehrstuhlvertreter an den Universitäten Frankfurt am Main, Greifswald, Heidelberg und Leipzig tätig sowie als Privatdozent an der Freien Universität Berlin, neben weiteren internationalen akademischen Positionen. Seine Publikationen wurden über 5.000 mal zitiert, was den nachhaltigen Einfluss seiner Arbeit verdeutlicht.

Hans Günter Brauch war nicht nur ein hervorragender Wissenschaftler, sondern auch ein großzügiger Mentor, ein engagierter Verfechter des internationalen Austauschs und ein aufrichtiger Förderer der nächsten wissenschaftlichen Generation. In Dutzenden viel beachteten Sammelbänden, die er herausgab, finden sich zahlreiche Beiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Globalen Süden. Darunter waren auch viele Jüngere, für die dies ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen Laufbahn war.

In seiner Heimatstadt Mosbach, wo Günter bis zuletzt lebte, gründete er eine Stiftung, die sich der Förderung von Wissen über Frieden und Ökologie im Anthropozän widmet. Sie vergibt verschiedene Preise und spendet Bücher an Schulen in der Region. Der internationale Wissenschaftspreis der Stiftung wird seit 2023 verliehen. Im Jahr 2020 wurde er für sein Wirken mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Wir vermissen einen hochgeschätzten Kollegen und erinnern uns an einen guten Freund.

Úrsula Oswald-Spring, Tobias Ide, Jürgen Scheffran, Michael Brzoska

erschienen in: Wissenschaft & Frieden 2026/3 Neue Technologien im Krieg, Seite 58–59