Kunst im Heft 3/2026
Schwerter zu Pflugscharen | Mahnmale I-X
von Claudius Förster
Ich beschäftige mich in meiner künstlerischen Arbeit vorwiegend mit dem Spannungsverhältnis zwischen der vermeintlich chaotischen Impulsivität der Natur und der Stringenz menschlichen Wirkens. Dabei stehen für mich die Verknüpfung dieser konträren, teilweise extremen Aspekte im Mittelpunkt – begleitet von einem steten Bemühen, sie in Einklang zu bringen. In meinen Werken versuche ich sowohl das Ringen der Gegensätze miteinander festzuhalten, als auch eine Tür zu meiner inneren Welt zu öffnen, und letztlich eher einem Gefühl Ausdruck zu verleihen, anstatt einen Sachverhalt zu erklären.
Die in dieser Ausgabe von W&F abgedruckte Serie »Schwerter zu Pflugscharen« – die ich stilistisch zwischen »dunkler Romantik « und »phantastischem Realismus« verorte – fand ihren Ursprung in meiner ganz persönlichen Verarbeitung der ersten Berichte über den Angriff Russlands auf die Ukraine im Frühjahr 2022. Damals waren Schock, Trauer, Machtlosigkeit und die Überforderung angesichts des Krieges in Europa die treibenden Gefühle, die Einzug in mein künstlerisches Schaffen hielten. In meinen übrigen Werken hatte ich bislang vor allem mit Zeichnung und grafischen Techniken gearbeitet. Doch es erschien mir falsch, die schweren Empfindungen und Gefühle in einem so »sanften Stil« zu bearbeiten, denn viele meiner früheren Bilder haben im Ausdruck meist etwas Träumerisches und Entrücktes. Stattdessen war es nun mein Ziel, eine Bildwelt zu erschaffen, die eine greifbar anmutende Wirklichkeit vermittelte, und so den Wahnsinn eines Krieges in unserem hochtechnologisierten Zeitalter nicht zu verklären, sondern spürbar werden zu lassen.
Dies war der Ausgangspunkt für das erste, dann so benannte »Mahnmal« – von dem aus ich nunmehr eine Serie von zehn entwickelt habe, die hier auf den Heftseiten zu finden sind. Dabei handelt es sich um Collagen, bei denen ich Landschaften mit einem für mich persönlichen Bezug zur Grundlage genommen habe und in diesen dann technische Elemente zu überdimensionierten, monströs mechanischen Konstruktionen verschmelzen ließ. Sie setzen sich aus Fragmenten alltäglicher Technik zusammen, von feinmechanischen Bauteilen bis hin zu großen Baugeräten. In den digitalen Collagen verändern sich Formen, Größen, Maßstäbe und somit auch die Perspektive auf die je einzelnen Objekte. So werden zuvor unscheinbare Elemente zu zentralen Bauteilen einer Maschine, die die sie umgebende Landschaft dominiert und den Betrachtenden förmlich ins Gesicht »schreit«.
»Schwerter zu Pflugscharen« versteht sich nicht als Versuch, die Sachverhalte eines komplexen Krieges zu erklären. Die Serie ist vielmehr Ausdruck meines persönlichen Ringens mit einer schwer greifbaren, aber bedrohlichen Wirklichkeit. Sie stellt die Frage, worauf wir heute blicken, wenn wir diese Welt betrachten, begleitet von der leisen
Hoffnung, dass auch morgen Schwerter zu Pflugscharen werden können.
Heft 3/2026 behandelt die neuen technologischen Entwicklungen, von Materialwissenschaften bis zur sogenannten Künstlichen Intelligenz, und deren Einfluss auf das heutige Kriegsgeschehen weltweit.
Die Bebilderung von Claudius Förster soll im Frühjahr 2027 in einer Ausstellung zu sehen sein. Mehr Informationen in Bälde.








