Frey: Die friedensethischen Kontroversen gehen weiter – fair?

von Ulrich Frey

Wie zuletzt nach dem Doppelbeschluss der NATO 1979 stecken die evangelischen Kirchen in Deutschland in einer neuen friedensethischen Debatte, ausgelöst durch den völkerrechtswidrigen Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar 2022. In diesem Beitrag diskutiert Ulrich Frey die gegensätzlichen Positionen, die sich dazu bislang in der evangelischen und ökumenischen Diskussion abzeichnen. Ihm geht es um die Vertiefung und Fortsetzung der Debatte – unter fairen Vorzeichen, die der Polemik auch den Ausgleich entgegensetzen lernt.

Sydiq: Das Pendel schwingt weiter – Zu den iranischen Protesten

von Tareq Sydiq

Aktuell erlebt Iran große und kraftvolle soziale Proteste, ausgelöst durch den Tod von Jina/Mahsa Amini – die politische Führung scheint der Protestwelle zunehmend machtloser gegenüberzustehen. Unser Gastautor analysiert die Ursprünge der Proteste und wirft einen Blick auf die Möglichkeiten und die Unerschrockenheit der Protestierenden gegenüber der zu erwartenden Gewalt gegen sie. Seine These: Gewalt als Mittel der Systemstabilisierung verliert an Wirksamkeit.

Zinecker: Keine schweren Waffen für die Ukraine? Vier Gegenargumente

von Heidrun Zinecker

Kaum eine Debatte wird gegenwärtig intensiver geführt, als die um die Zulässigkeit oder Notwendigkeit von Waffenlieferungen an die Ukraine. Die Autorin dieses Gastbeitrags versucht sich an einer detaillierten Auseinandersetzung mit in der Debatte vorgebrachten Argumenten, weshalb Waffenlieferungen nicht erfolgen sollten und tritt an, diesen mit Gegenargumenten zu begegnen. Dabei schält sie vier grundlegende Kritiken heraus: Kritik an logischen Inkonsistenzen, Kritik an der dahinterstehenden Friedensethik bzw. Friedenspolitik, Kritik an der „Überzeichnung“ des atomaren Risikos und nicht zuletzt Kritik am Hoffen auf innerrussische politische und ökonomische Kriegsbeendigungsgründe.

Webdokumentation: Krieg gegen die Ukraine

Es herrscht Krieg in der Ukraine. Viele Menschen fragen sich, wie es zu dem Krieg kommen konnte, was die konkreten Hintergründe sind und welche Folgen der Krieg haben wird – für die Ukraine, für Europa, für uns alle.
Eine Dokumentation zentraler Meinungen, Analysen und Stellungnahmen — laufend aktualisiert

Balzer: »Nuclear Ban Week« in Wien

von Anne Balzer (ICAN Deutschland)

Auf drei separaten, aber dennoch wesentlich miteinander zusammenhängenden Veranstaltungen kamen in der gerade vergangenen Woche Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen und politische Entscheidungsträger*innen in Wien, Österreich zusammen. Sie diskutierten die Herausforderungen der nuklearen Abschreckung und die Weiterentwicklung des UN-Vertrags zum Verbot von Atomwaffen (AVV). Anne Balzer fasst für uns die drei Konferenzen knapp zusammen und gibt einen kurzen Ausblick.

Jung: Science4Peace — jetzt wichtiger denn je!

von Hannes Jung

Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat auch für den Wissenschafts- und Kulturbetrieb deutliche Folgen. Doch manche sanktionierenden oder boykottierenden Maßnahmen schaden aktiv einer Chance auf friedensfördernden Austausch. Gerade in der Teilchenphysik sind die Konsequenzen davon zu spüren. Hannes Jung berichtet von den Auswirkungen am Großforschungszentrum DESY und von der Kampagne »Science4Peace«.

Wintersteiner: Der unterschätzte Widerstand

von Werner Wintersteiner
Unsere Medien überschlagen sich mit Frontberichten, als wären wir selbst im Krieg. Auf den Titelseiten der Zeitungen und auf den Bildschirmen wird unter großem Applaus das unappetitliche Stück vom humanitären Militarismus gegeben. Kein Wunder, dass dabei die sporadischen Meldungen über gewaltfreie Aktionen untergehen. Dennoch spielen diese eine bedeutende, aber oft unterschätzte Rolle im Widerstand gegen die russische Aggression wie auch bei der Wiederherstellung des Friedens. Höchste Zeit, sich ausführlicher mit dem zivilen Widerstand und Friedensoptionen (nicht nur) in der Ukraine zu beschäftigen.

Interview: Pazifismus in Zeiten des Krieges

Interview mit Olaf Müller: Pazifismus ist keine Schönwetter-Veranstaltung. Wenn er etwas taugt, muss er sich in jeder noch so dramatischen Situation neu bewähren. Man sollte ihn nicht mit geschlossenen Augen und verschlossenem Herzen hochhalten; den brutal überfallenen ukrainischen Männern, Frauen und Kindern sind wir mehr schuldig als die wohlfeile, gesinnungsethische Verteidigung unserer friedliebenden reinen Weste. Den Kriegsopfern gilt nicht nur unser Mitgefühl, die gesamte Ukraine verdient unsere Solidarität.

Zeitenwende!?

von Corinna Hauswedell
Mit dem Begriff der »Zeitenwende« wird seit der Regierungserklärung des Bundeskanzlers vor dem Bundestag am 27. Februar 2022 eine umfassende Neuorientierung deutscher Außen- und Sicherheitspolitik begründet. Vom großen „Paradigmenwechsel“ ist die Rede.Vielen erscheint dies einleuchtend angesichts des völkerrechtswidrigen Krieges, den Putin gegen die Ukraine führt, oder sogar zwingend geboten. Aber es lässt auch viele von uns ratlos zurück und wirft neue Fragen auf.

Den Krieg in der Ukraine sofort stoppen!

Zum zweiten Mal nach dem II. Weltkrieg ist Krieg in Europa: Dieser Krieg ist – wie alle anderen vor ihm – eine humanitäre Katastrophe: Menschen sterben, Leid und Hass greifen um sich, massiv und sinnlos werden Ressourcen zerstört, die an anderer Stelle doch so dringend gebraucht werden.

An erster Stelle muss in der gegenwärtigen Situation eines im Vordergrund stehen: Die unverzügliche Beendigung der Aggression des Putin-Regimes gegen die Ukraine. Nichts kann diesen Krieg rechtfertigen!